Seminar


Historisch informierte Aufführungspraxis Sinfonischer Blasorchester


Freitag, 19. März 2010
19 - 22 Uhr
Leibniz-Schule, Veranstaltungsraum im Hof
Schleiermacherstraße 23, 10961 Berlin-Kreuzberg

Die Teilnahme ist kostenlos.

Das Blasorchester ist seit seinen Anfängen im 18. Jahrhundert ein Medium im Wandel. Im Gegensatz zum Sinfonieorchester unterliegen seine Besetzungsstandards jeweils sehr verschiedenen nationalen Traditionen und waren zudem über die Jahrzehnte permanenten Veränderungen ausgesetzt.

Was folgt daraus für die Aufführung älterer, gleichsam schon ‚historischer‘ Musik durch heutige Blasorchester? Droht die ‚Identität‘ der gespielten Werke in zweifacher Hinsicht verfälscht zu werden: durch eine eventuell historisch unreflektierte Bearbeitungspraxis wie durch eine ebensolche Wiedergabe? Welche positive Rolle kann umgekehrt das Wissen über zeitgenössische Notations-, Editions- und Aufführungspraxis in der Arbeit der Orchester spielen?

Der Referent Tobias Faßhauer nähert sich diesen Fragen am Beispiel ausgesprochener Klassiker der Blasorchester-Literatur, der Märsche von John Philip Sousa (1854–1932). Anhand des Vergleichs von sowohl Interpretationen als auch Noten-Ausgaben aus älterer und neuerer Zeit soll u. a. verdeutlicht werden, dass
- diese Stücke heute fast nie in einer Weise zu hören sind, die den Aufführungen unter der Leitung des Komponisten nahe käme,
- dass die Regeln einer ‚authentischen‘ Interpretation aus dem originalen Notentext nicht hervorgehen und nur durch Berücksichtigung weiterer Informationsquellen erschlossen werden können,
- dass die Beachtung dieser Regeln aber essenziell ist, um das volle Wirkungspotenzial der Musik zu entfalten.

Von den Werken Sousas soll der Bogen zur Aufführungspraxis auch anderer Werke für Sinfonische Blasorchester gespannt werden, um neue Interpretationsspielräume im Umgang mit dem jeweils vorliegenden Notentext durch die einzelnen Orchester zu öffnen. Nach einem kurzen Einführungsreferat von Tobias Faßhauer bleibt Raum für den gemeinsamen Gedankenaustausch.

Tobias Faßhauer, geb. 1966, studierte Musik- und Theaterwissenschaft sowie Diplommusikerziehung, Hauptfach Musiktheorie, in Detmold und Berlin. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Hanns Eisler Gesamtausgabe und promovierte 2005 mit einer Arbeit über Kurt Weills Songstil. Er besitzt langjährige Blasorchester-Erfahrung als Posaunist, Arrangeur und Komponist.

Wir veranstalten dieses Projekt mit der Jeunesses Musicales Berlin.